Vision und Innovation

Explosive Stimmung

Gespannt blicken ein Dutzend Augenpaare auf das merkwürdige Gerät, das Feuerwehrmann Bernd Weißhaupt im Kies-belegten Innenhof des OHRATORIUM Firmengeländes in Leverkusen-Hitdorf aufgebaut hat. Aus einem etwa 40 mal 40 Zentimeter breiten und rund 15 Zentimeter hohen Metallkasten ragt ein rund 50 Zentimeter hoher, schmaler Metallkorb mit geschlossenem Deckel. Über eine mehrere Meter lange Gasleitung ist das Gerät mit dem Einsatzfahrzeug des Feuerwehrmannes verbunden.
Ein kurzer Blick zum Mitarbeiter des Feuerwehrmannes genügt – und mit ohrenbetäubendem Lärm explodiert die Spraydose, die er zuvor in den Metallschutzkäfig für einen Druckgefässzerknall gelegt hat.
Die Gaszufuhr mit einem Druck von drei Bar reichte aus, dass der Knall weit über das Firmengelände hinaus zu hören war.

Bernd Weißhaupt lächelt zufrieden. Der seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr aktive und zugleich selbstständig tätige Brandschutzexperte weiß, wie man auch bei einer Veranstaltung wie einer Brandschutzübung für eine ebenso explosive wie angenehm fröhliche Stimmung sorgt. Mithilfe einiger launiger Sprüche, eines Wasserschlauchs und ein bisschen „Action“ schafft er es geschickt, die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf ein wichtiges Thema zu lenken: den Brandschutz in Unternehmen. Genau deshalb war er von Ohratorium-Geschäftsführer Hendrik Stratmann mit einer Schulung seiner Beschäftigten beauftragt worden.

An diesem sonnigen Mittag müssen Weißhaupt und sein Kollege aber nicht allein für Unterhaltung sorgen. Denn zwei Gäste haben sich für die Brandschutzübung angekündigt: Der in Action-Serien wie „Alarm für Cobra 11“ und „112 – Sie retten dein Leben“ eingesetzte ehemalige Stuntman Coach Holger Schumacher und sein Kollege Stuntman Bernd Pietsch sind ebenfalls mit dabei.

Die Brandschutzübung beginnt im Bürogebäude des Unternehmens mit einem theoretischen Teil. Die „Ohratorium“-Beschäftigten bekommen hierbei die wichtigsten Dinge, die ein Brandschutzhelfer wissen sollte vermittelt. (wie z.B.: mögliche Zündquellen, die verschiedenen Brandklassen in Europa, das „Brand-Dreieck“ und die 5 W’s im Brandfall: Wo ist etwas passiert? Wer meldet? Was ist passiert? Wie viele sind betroffen?)

Auch mögliche Löschmittel werden vorgestellt – zum Beispiel Wasser, Pulver, Schaum, CO2, Sand oder trockene Erde. Nach etwa 60 Minuten konzentrierter, aber in lockerem Tonfall vorgetragener Information folgt im Innenhof der praktische Teil der Übung. Während sich die Ohratorium-Mitarbeiter hinter den sauber aufgereihten Feuerlöschern versammeln, erklärt Feuerwehrmann Weißhaupt die Funktionsweise eines solchen Geräts.
„Gelbe Sicherung ziehen, den roten Knopf drücken und dann löschen“, sagt er – und hat schon das vor ihm in einem Metalleimer lodernde Feuer erstickt.

Nacheinander dürfen nun alle Beschäftigten einmal ran. Unter der sachkundigen Regie des Feuerwehrmannes verlieren dabei selbst die „Angsthasen“ unter den Beschäftigten schnell die Furcht vor den Flammen.
Anhand weiterer Geräte wie einem Flanschbrand oder einer Holzbrandattrappe, die der Feuerwehrmann für seine Aufklärungsarbeit nutzt, üben die Ohratorium-Mitarbeiter den richtigen Umgang mit dem Löschgerät. Aber auch die Gefahren eines falschen Löschverhaltens werden sichtbar: Als auf eine mit etwas Rapsöl gefüllte Fettbrandattrappe Wasser geschüttet wird, schießt eine Stichflamme mehrere Meter in die Höhe.

Für die optischen Höhepunkte des Nachmittags sorgen schließlich die beiden Stuntmans. Zunächst wird ein Ärmel des mit Brandschutzunterwäsche und einem Feuerschutzanzug bekleideten ehemaligen Action-Kollegen Schumacher angezündet. Während sich dieser scheinbar vor Angst schreiend um die eigene Achse dreht und damit die Angstreaktion eines Betroffenen simuliert, legt der erfahrene Feuerwehrmann eine Brandschutzdecke um den Ärmel und löscht die Flamme in Sekundenschnelle.

Auch Ohratorium-Chef Hendrik Stradtmann und seine Mitarbeiter dürfen den Schutzanzug des Stuntmans anschließend von Flammen befreien. Während der Stunt-Coach und sein Kollege sich für eine Bergungsaktion noch wirkungsvoll hinter das Steuer eines scheinbar brennenden Autos klemmen, betont Stradtmann, warum ihm die jährliche Teilnahme seiner Mitarbeiter an einer Brandschutzübung so wichtig ist. „Im Ernstfall muss jeder meiner Kolleginnen und Kollegen wissen, was zu tun ist“, erklärt er sachlich, aber bestimmt. „Hier kann es um das Leben von Menschen gehen."